DER VERDOPPELTE URLAUB
Es ist die einfachste und zugleich schwierigste Sache der Welt: nichts tun. Denn man möchte im Leben ja nichts verpassen, sondern möglichst viel erleben – vor allem im Urlaub. Doch wo bleibt da bitteschön die Erholung?
Weil wir es so selten tun, sind wir im Nichtstun ungeübt. Deshalb haben wir hier eine kleine Anleitung zusammengestellt. Ihre Erholung gelingt damit bestimmt – und erleben werden Sie auch ganz schön viel. Versprochen!
Kennen Sie dieses Phänomen auch? Zuerst wartet man sehnsüchtig auf den Urlaub, weil man endlich mal nichts tun will. Doch wenn der Urlaub da ist, jagt man von einer Aktivität zur nächsten. Das allerdings erzeugt Druck – und nicht Erholung. Was wäre, wenn Sie im Urlaub tatsächlich nichts tun? So funktioniert’s:
AM VORMITTAG: TRÄUMEN
Frühstück beendet, los geht’s? Halten Sie lieber inne und fragen Sie sich: Was möchte ich – wirklich, wirklich – tun? Vielleicht nichts! Vielleicht wollen Sie nur da sein. Lassen Sie sich in einen Liegestuhl oder ins warme Thermalwasser sinken. Hören Sie dem Glucksen des Wassers zu. Schauen Sie in die Luft. Verträumen Sie den Vormittag – und Sie werden Ruhe und Stille entdecken.
ÜBER MITTAG: SCHLUMMERN
Ihre Vorhaben fallen Ihnen ein: den neuen Krimi lesen, das Strickzeug auspacken, einen Spaziergang machen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Was möchten Sie – wirklich, wirklich – tun? Vielleicht nichts! Vielleicht wollen Sie sich nur in den Moment fallen lassen: die Augen schließen, schlummern… und dabei bemerken, wie langsam die Zeit vergehen kann. Herrlich, wie lang ein Tag eigentlich ist!
AM NACHMITTAG: RUHEN
Hoppla, das schlechte Gewissen rührt sich: Den Tag nutzen, das sollte man doch im Urlaub tun. Ach was, pfeifen Sie auf das Nutzungsrecht für diesen Tag. Überlassen Sie sich besser dem Sein. Strecken Sie sich auf Ihrer Entspannungsliege aus. Fühlen Sie die Ruhe. Hören Sie zu, wie die heiße Luft in der Sauna knistert. Lassen Sie sich von der wohligen Wärme umarmen und spüren dabei: Ich bin da. Das reicht.
GEGEN ABEND: SEIN
Der Himmel färbt sich dunkelblau, am Horizont glitzert der Abendstern und es könnte sein, dass Sie lächeln. Denn Sie haben an Ihrem Urlaubstag zwar nichts gemacht, und doch viel erlebt – das Sein. Sie konnten spüren, wie herrlich lang ein Tag ist. Unsere Empfehlung deshalb: Wiederholen Sie das Nichtstun auch morgen. Dann könnte es sich so anfühlen, als ob sich Ihre Urlaubszeit verdoppelt.
Es ist ein neuer Trend: das Nichtstun im Urlaub. Man bezeichnet es als JOMO – joy of missing out, also die Freude daran, etwas zu verpassen. Gemeint ist damit, dass man Sehenswürdigkeiten oder Erlebnisse bewusst auslässt. Das bedeutet weniger Druck und mehr Erholung. Das Gegenteil zu JOMO ist FOMO – fear of missing out, also die Angst, etwas zu verpassen. Dieses Phänomen ist eng mit der Digitalisierung unseres Alltags verbunden. Das Gefühl, ständig erreichbar und präsent zu sein, kann zu einer psychischen Belastung werden.