Krimiautorin Martina Parker auf Inspirationssuche

Martina Parker ist Autorin, Journalistin und Kolumnistin. Ihr Debüt „Zuagroast“ erschien im Sommer 2021 und war monatelang auf der Bestsellerliste. Auch ihr 2. Roman “Hamdraht” führt bereits die Bestsellerliste an.

Für ihren dritten Roman „Aufblattelt“ war Martina auf Spurensuche im Wald des Quellenhotels. Beim Waldbaden mit Kordula Gmoser hat sich die im Südburgenland angekommene Weltenbummlerin Inspiration für ihren neuesten Krimi geholt.

Ich stapfe mit einer kleinen Gruppe Menschen Richtung Wald. Es duftet nach Moos, Tannennadeln und dem feuchten Waldboden. Das Laub raschelt unter den Füßen, ein Bächlein plätschert und die Sonne schickt einzelne Strahlen durch das das dichte Blätterwerk. Ich konzentriere mich auf die vielen Kleinigkeiten, die ich sehe, wenn ich meinen Blick aufmerksam schweifen lasse. Das Rot der Hagebutte, eine Schnecke, die über einen Pilz wandert, den Ruf des Vogels über mir. Schön ist es hier und so friedlich. Allein das Licht und Schattenspiel der Sonne zwischen den Blättern hat eine ungemein beruhigende Wirkung und befreit den Geist. Genau deswegen bin ich hier. Um mit dem Wald eins zu werden. 1982 hat das japanische Ministerium für Land-, Forstwirtschaft und Fischerei einen eigenen Begriff für den Zustand geprägt, mit dem Wald eins zu werden und seine Atmosphäre aufzusaugen. Shirin-yoku. Wörtlich übersetzt bedeutet das Waldbaden.

Beim Waldbaden geht es darum, die Umgebung des Waldes mit allen Sinnen wahrzunehmen. Von der klaren Waldluft über das sanfte, gedämpfte Licht bis hin zu den Geräuschen der Natur. Du tauchst in den Wald ein und „badest in der Atmosphäre“. Je mehr Du dich auf den Wald konzentrierst, desto mehr rückt der Alltag in den Hintergrund und Du spürst, wie sich Dein Stressgefühl abbaut.

die Umgebung des Waldes mit allen Sinnen wahrnehmen

Eine Waldbademeisterin haben wir auch. Oder richtig gesagt eine Waldpädagogin. Sie heißt Kordula Gmoser und bittet uns darum, dass wir uns in einem Kreis aufstellen. Dann sollen wir uns vorstellen. Ein Pärchen erzählt, sie wären hier in der Heiltherme Bad Waltersdorf, um ihren Hochzeitstag zu feiern und seien in der Gästezeitung auf den Programmpunkt Waldbaden aufmerksam geworden. Eine andere Frau sagt, dass sie regelmäßig bewusst in den Wald geht und dieses Hobby auch im Urlaub vertiefen möchte. Eine vierte sucht nach neuen Entspannungstechniken.

Ich räuspere mich kurz, als ich an der Reihe bin. Mein Name ist Martina Parker, ich bin Krimiautorin. Ich bin hier, um für den dritten Band meiner Gartenkrimiserie zu recherchieren. Im ersten Band Zuagroast ging es um die Erde und das Kompostieren. Im zweiten Band Hamdraht um Wasser und Wellness. Im dritten, Aufblattelt, wird es um den Wald gehen. Überraschte Blicke, freundliches Nicken. Ich bin also nicht nur da, um mein Hirn auszulüften, sondern auch um es mit neuem Wissen zu füllen. Zum Glück ist Waldtherapeutin Kordula ein Quell der Weisheit. Während der Wanderung teilt sie bereitwillig ihr Wissen mit uns:

Waldluft ist durch ätherische Öle leicht würzig und besonders wohltuend. Die gesundheitsfördernde und Stress mildernde Wirkung von Zirbenholz ist sogar wissenschaftlich belegt. Japanische Umweltimmulogen haben außerdem erkannt, dass das Eintauchen in Grün, Ängste und Depressionen lindert und den Blutdruck und den Cortisolspiegel senkt. Außerdem atmen wir im Wald Phytonzide – antibiotisch wirkende Abwehrstoffe, die Pflanzen gegen Schädlinge freisetzen und die sollen auch unser Immunsystem stärken.

Kordula teilt uns in Paare ein. Ich muss die Augen schließen und werde von meiner Partnerin mehrmals um die eigene Achse gedreht und im Kreis gelenkt, bis sie mich zu einem Baum führt. Diesen gilt es nun immer noch mit geschlossenen Augen zu erkunden. Ich „begreife“ und umarme den Baum, stelle mir vor, wie die Energie der Erde von den Wurzeln bis zur Krone hin zu den feinsten Verästelungen in Blättern und Nadeln gelangt. Und wie umgekehrt die Sonnenenergie von oben nach unten auf den Baum einwirkt. Der Stamm ist glatt und kalt. Kordula hat uns erklärt, dass Weißbuchen besonders kühle Bäume sind. Ich werde wieder von „meinem“ Baum weggeführt. Werde ich ihn mit offenen Augen wiedererkennen? Ich Blicke mich um. Ja, das ist er. Und von der Achtsamkeitsübung habe ich im doppelten Sinn profitiert. Denn die Baumrinde enthält sogenannte Terpene, die das menschliche Immunsystem stärken.

Wir verbringen Stunden im Wald und dennoch vergeht die Zeit wie im Flug. Wir sortieren Fundstücke in der Natur nach Farben. Oder wir speichern Erinnerungen, indem wir besonders schöne Ausblicke per Kopfkino festhalten. Als wir hungrig werden, verteilt Kordula selbstgemachte Apfelchips, die sie über dem Kachelofen getrocknet hat. Iltzer Rose – eine regionale Apfelsorte. Das sind die besten Äpfel dafür, sagt sie. Zum Abschluss schenkt sie uns ein Marmeladeglas mit harzigem Kiefernholz. Eine Dosis Waldluft für zuhause.

erleben

Beim Waldbaden sich selbst näher kommen.