Der Mann der ersten Heiltherme-Stunde: Friedrich Rath 1932-2020

Es ist an der Zeit, einen Mann vor den Vorhang zu holen, der Großartiges für Bad Waltersdorf geleistet hat. Stets bescheiden, stets besonnen, aber stets auch mit viel Liebe zum Detail, genauer gesagt mit viel Liebe zu jedem Tropfen „seines“ Thermalwassers: Fritz Rath, seines Zeichens Uhrmachermeister und Gemeinderat in Bad Waltersdorf, Geschäftsführer der Oststeirischen Thermalwasserverwertungsgesellschaft (OTVG), Geschäftsführer und Gesellschafter der Heiltherme Bad Waltersdorf der ersten Stunde.

GRÜNDUNGSVÄTER DER THERME

So lange ich Herrn Rath als Chef kannte, hielt er sich am liebsten im Hintergrund, war vorwiegend in den Technikräumen der Heiltherme anzutreffen oder in seinem geliebten Wald. Deshalb wunderte ich mich ein wenig, als er mir bei einem Besuch zu seinem 85. Geburtstag einen einfachen Zettel, gehüllt in eine Klarsichtfolie, in die Hand drückte. Darauf zu sehen: „Hauptbeteiligte bei der Entstehung der Heiltherme Waltersdorf“: Landesrat Erich Pöltl, Regierungsrat Helmut Pichler, Friedrich Rath Uhrmachermeister, Ingenieur Rudolf Sonnek, Architekt Mag. Ing. August Kremnitzer, Oberbaurat DI Karl Köberl. Sechs Namen mit Foto. Auch wenn er sich selbst nie in den Vordergrund drängte, so sollte doch für die nachfolgenden Generationen festgehalten werden, wer die „echten“ Gründungsväter der Heiltherme waren. Ein einfacher Zettel – für mich ein Auftrag, gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, den Blick zurück auf den Ursprung der Heiltherme zu richten. Es ist gleichzeitig ein Versuch, die Pionierarbeit von unserem Fritz Rath zu würdigen.

HEISSES GOLD AUS DEN TIEFEN DER ERDE

Als man bei Erdölbohrungen auf dem heutigen Grundstück der Heiltherme im Jahr 1975 „nur“ auf heißes Wasser stieß, war die Enttäuschung zunächst sehr groß. Einer der wenigen, die bald diesen großen Schatz der Natur erkannten, war Fritz Rath. Nach Gründung der OTVG 1979 machte man sich daran, das 62 Grad heiße Wasser für die erste geothermische Heizung Österreichs zu nutzen. Ein wahrer Segen für die Umwelt, denn es gelang die Volks- und Hauptschule, das Freibad und einige private Häuser mit der Wärme aus der Tiefe zu versorgen.

BADEWASSER IN MILCHKANNEN

Vielleicht gäbe es die Heiltherme nicht, wenn Fritz Rath sich damals nicht für dieses Geschenk der Natur, das heilkräftige heiße Thermalwasser, eingesetzt hätte. Denn er war ein naturverbundener Mensch. Und es war ihm ein großes Anliegen, möglichst vielen Menschen die gesundheitliche Wirkung des Thermalwassers spüren zu lassen. Noch bevor die Grundmauern der Heiltherme standen, hat er das Thermalwasser in Milchkannen abgefüllt, um daheim in der Badewanne ein gesundes und entspanntes Bad zu nehmen. Seine Frau, seine Kinder und die Leute aus der Umgebung taten es ihm gleich und schnell hatte sich die wohltuende Wirkung des Wassers herumgesprochen. Die offizielle Bestätigung, dass es sich um eine Heilquelle handelte, kam erst später im Jahr 1982.

Ich habe gefürchtet, dass mir meine Frau den Kopf abreißt

ENTSTEHUNG DER HEILTHERME

Legendär sein Ausspruch „Ich habe gefürchtet, dass mir meine Frau den Kopf abreißt“, nachdem er privates Geld für das Thermengrundstück an den damaligen Grundbesitzer Karl Pieber in bar auszahlte. Nur so kam der Grundkauf zustande. Er war ein sparsamer und vorsichtiger Mensch. Er war aber auch ein Unternehmer, der kein Risiko scheute, wenn es um „seine“ Quelle und seine Vision eines öffentlichen Thermalbades ging. Unermüdlich und mit viel Überzeugungskraft war er unterwegs, um Investoren für das Projekt zu finden, ebenso wie die genannten Gründungsväter. Von Architekt Mag. Ing. Kremnitzer wurde ein Modell beigesteuert, das ein kleines, aber feines Thermalbad mit einem Innen- und einem Außenbecken veranschaulichte. Unterschriebene „Beteiligungsscheine“ sicherten schließlich die Gründung einer Gesellschaft mit vierzig privaten Kommanditisten, regionalen Banken und einer „stillen Beteiligung“ seitens des Landes Steiermark für die ersten Jahre. Damit war der Grundstein gelegt. Nach einem Probebetrieb im Dezember 1984 wurde die Heiltherme im Jänner 1985 durch den damaligen Landeshauptmann Josef Krainer feierlich eröffnet. Die weitere Erfolgsgeschichte mit den verschiedenen Ausbaustufen unter den Geschäftsführern Johann Haberl und Gernot Deutsch kennen die langjährigen Stammgäste unter Ihnen ja schon.

PRÄZISE WIE EIN UHRWERK

Friedrich Rath war schon als Uhrmachermeister ein Tüftler mit viel Geschick. Er sorgte vom ersten Jahr bis zu seiner Pensionierung für eine einwandfrei funktionierende Technik in den Kellerräumen der Heiltherme. Dabei schulte er die Bademeister ein, die nicht nur auf eine konstant gute Wasserqualität achteten, sondern auch technisches Geschick mitbringen mussten. Er selbst war penibel genau und vor allem geduldig bis hartnäckig bei der Arbeit und das erwartete er auch von seinen Mitarbeitern. Sauberkeit war sein Grundgesetz. Kein Staubkorn durfte auf einem Lüftungsrohr liegen und der einwandfreien Hygiene im Badebereich galt sein erster Kontrollgang am frühen Morgen. Erich Weinzettl weiß als Bademeister zu berichten, dass er bei Fritz Rath das Sparen gelernt hat. Oder nennen wir es „Kostenbewusstsein“. Fritz Rath war ein Praktiker, der lieber alles selbst reparierte, bevor er eine Servicefirma holte. Sein Motto war „Defekt ist es schon – mehr als kaputt kann es nicht werden.“ Oder „Einen Fehler machen wir nur einmal – beim nächsten Mal wissen wir schon, wie es geht.“ Wie Recht er doch immer wieder hatte …

DIE LIEBEN ZINSEN

Ich erinnere mich an die Zeit, als er noch die Tageslosungen zur Bank brachte. Da zeigte er viel Einfallsreichtum, um mögliche Diebe auszutricksen. Unauffällig im Plastiksackerl oder in einer verschmuddelten Tasche waren die Banknoten verstaut und die Zeiten seiner Fahrten von der Heiltherme zur Bank im klapprigen Fiat wechselten täglich. Wir Damen im Büro wussten nicht, was er mehr fürchtete: Einen Überfall oder einen Tag Zinsenverlust bei der Bank.

MENSCHLICHKEIT UND GOLDENES EHRENZEICHEN

Fritz Rath war der ruhige und ausgleichende Pol für uns Mitarbeiter, ein Bewahrer, Förderer und Mentor. Seine Führungsqualität war die Vorbildwirkung. Er schätzte Leistung und forderte diese auch ein, war manchmal väterlich streng, aber immer fair und vor allem menschlich. Für die Gäste und die Öffentlichkeit war er kaum zu sehen, denn er wirkte lieber im Stillen und überließ den „Jungspunden“ die großen Auftritte und die Öffentlichkeitsarbeit. So bescheiden und manchmal wortkarg wie er war, fand er es auch gar nicht erwähnenswert, dass er mit dem „Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark“ ausgezeichnet wurde. Über zwanzig Jahre lang hat Fritz Rath in der Geschäftsführung der Heiltherme mitgewirkt und musste sich mit 72 Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Sein großes Interesse an der OTVG und an der Heiltherme hat er bis ins hohe Alter bewahrt. Am 18. Mai ist er im 89. Lebensjahr friedlich eingeschlafen.

GROSSE DANKBARKEIT

Für mich, für meine KollegInnen und seine Wegbegleiter bleiben noch viele schöne Erinnerungen, vor allem aber Dankbarkeit für diesen großartigen Visionär als einer der Hauptbeteiligten bei der Entstehung der Heiltherme.

Die Heiltherme Bad Waltersdorf wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Bericht von Prok. Roswitha Haidenbauer